Neujahrs-Stammtisch mit Bürgermeister Gerold Wenzens im Berghausener Blumentopf

Der erste Stammtisch des Industrievereins in 2026 war rekordverdächtig. War es die erwartete Rede des noch immer „neuen“ Bürgermeisters, oder der besondere Charme der Lokalität? Hundertzwanzig Mitglieder und Gäste trafen sich Dienstagabend im „Berghausener Blumentopf“, den  Andreas Klein und sein Team entsprechend vorbereitet hatten.

Bei seiner Begrüßung sah der IVL-Vorsitzende Michael Becher die Vereinsmitglieder zum Jahresbeginn motiviert und gut gerüstet, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Er dankte BM Wenzens für seine Bereitschaft, seine Ideen vorzutragen, weil viele der aktuellen lokalpolitischen Fragen (Steuern, Verkehr, wohnliche Versorgung, Kitas und Schulen, neue Gewerbegebiete) unmittelbar die Firmen und Betriebe vor Ort bzw. die Mitarbeiter berühren.

Bürgermeister Gerold Wenzens machte mit Blick auf die vielleicht übertriebenen Erwartungen an ihn zunächst deutlich, dass er nur eine von 45 Stimmen im Rat habe, und die Realisierung seiner Ideen und Pläne davon abhängt, ob es nun eine Ratsmehrheit mit Gestaltungswillen und Kompromissbereitschaft gibt. Aktuell wird in den Fraktionen noch beraten. Er könne sich zum Beispiel mit Blick auf frühere gemeinsame Arbeiten am kommunalen Haushalt (auch) eine BGL/CDU- Zusammenarbeit vorstellen.

Schwerpunkte sind Kitas und Schulen, wobei der KiGa-Bedarf nach den in Bau befindlichen Maßnahmen gedeckt scheint, während -trotz dreijähriger Diskussionen – der Mangel an Plätzen in weiterführenden Schulen immer noch der Lösung bedarf. „Sicherheit und Sauberkeit“, nannte Wenzens als weitere konkrete Ziele. Dazu gehört die Erkenntnis, dass die vor 25 Jahren auf die Bürger übertragene Kehrpflicht in der heutigen Zeit erkennbar nicht mehr ausreicht. Die Übernahme als städtische Aufgabe wird mit Personal- und Sachkosten verbunden sein, die sich in den Gebühren niederschlagen. Zum großen Thema Sicherheit wird es neben personeller Aufstockung auch technische Hilfsmittel geben, Bodycams, Videoüberwachungen kritischer Bereiche, oder auch „Vivian“, die konsequent Geschwindigkeitskontrollen ermöglicht. Die Ausrüstung einiger Ordnungskräfte mit Fahrrädern soll deren Effiziens erhöhen, aber auch ihre Sichtbarkeit im öffentlichen Raum verstärken. Natürlich war auch die Attraktivität der Innenstadt ein Thema; Wenzens erläuterte mit Blick auf die Markthalle noch einmal die Notwendigkeit dieses immobilienwirtschaftlichen Eingriffs. Er machte aber auch deutlich, dass es in der Verantwortung der Hauseigentümer liegt, ob sie den x. Barbershop als Mieter akzeptieren.

Die Hoffnung auf Bundesmittel aus dem Investitionsprogramm dämpfe er, „für Langenfeld 23 Millionen bis 2035 sind kein Befreiungsschlag“. Zur Höhe der Gewerbesteuer erinnerte er an die Entwicklung der letzten Jahre, wo man Spielräume zur Senkung durchaus genutzt habe. 360 Punkte hält er für attraktiv, „auch wenn wir zwei Nachbarn mit niedrigeren Hebesätzen haben“. Mit Blick auf andere Kommunen prägte er das Bild „Wir haben Gummistiefel an, vielen anderen steht das Wasser bis zum Hals“. Mit Blick auf die vitale, differenzierte lokale Wirtschaftsstruktur sieht er Langenfeld gut gerüstet.

Auf konkrete Nachfragen von Becher sagte er zum Innovationscampus, „veränderte Rahmenbedingungen bieten eine neue Chance“. Wenzens strebt an, dass die Stadt in Sachen Flächen Recycling aktiv werden wolle. Auch versprach er, einheimische Unternehmen bei der Suche nach Flächen zu unterstützen, die Ansiedlung weiterer Logistikunternehmen nicht zu fördern und verstärkte interkommunale Zusammenarbeit anzustreben.

Genug Themen, die beim anschließenden Grünkohl-Essen vertieft werden konnten.

Text & Fotos: Martin Mönikes