Unternehmer besuchen die Freiwillige Feuerwehr

Für seinen regelmäßigen Stammtisch hatte der Industrieverein Langenfeld (IVL) einmal mehr einen spannenden Ort ausgesucht. Rund 80 Mitglieder folgten der Einladung in das in Langenfeld im Vorjahr offiziell in Betrieb genommene Feuerwehrhaus an der Ecke Schneiderstraße und Haus-Gravener-Straße. Ein wichtiger Standort, denn in diesem modernen Gebäude sind die beiden ehemals eigenständigen Löscheinheiten Richrath und Wiescheid nun unter einem gemeinsamen Dach erfolgreich zusammengelegt worden.

Frank Noack, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Langenfeld, begrüßte die Gäste aus der lokalen Wirtschaft persönlich. Er stellte die Wehr dabei als einen „24/7 bereitstehenden Dienstleister für die Geschäftsfelder Retten, Löschen, Bergen und Schützen“ vor. Zunächst informierte er detailliert über die personelle und organisatorische Struktur der lokalen Feuerwehr. Bei dieser handelt es sich um eine „Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften“, was in der Praxis ganz besondere Anforderungen an die ständige Abstimmung stellt.

In konkreten Zahlen bedeutet dies: 106 Mitarbeitende sind dort hauptberuflich tätig, während bei größeren Einsätzen bis zu 170 ehrenamtliche Kräfte tatkräftig unterstützen. Noack erklärte den entscheidenden Unterschied im organisatorischen Ablauf: Während die diensthabenden hauptamtlichen Kräfte in der Zentralen Wache an der Lindberghstraße im Ernstfall sofort agieren können, müssen die Freiwilligen nach dem Alarm zunächst zur Hauptwache oder einem der dezentralen Feuerwehrhäuser kommen. Erst dann können sie sich einkleiden und mit den dort bereitstehenden Fahrzeugen ausrücken.

Noack nutzte die willkommene Gelegenheit, um beim Industrieverein intensiv für weitere Ehrenamtler zu werben und zugleich die Arbeitgeber um dringend benötigtes Verständnis für deren gelegentliche, plötzliche Abwesenheit am Arbeitsplatz zu bitten. Auch die Zusammenarbeit mit benachbarten Wehren oder die essenzielle Bedeutung der Leitstelle in Mettmann wurden thematisiert. Erstaunen, aber letztlich einhelliges Verständnis, löste die Information aus, dass in einem Fall tatsächlich noch mit einem klassischen Faxgerät gearbeitet wird – nämlich bei der verbindlich vorgeschriebenen Freigabe von Bahngleisen. Krankentransporte waren an diesem Abend ein weiteres wichtiges Thema, auch wegen der ständigen öffentlichen Diskussion um die Kosten von Fehleinsätzen.

Dem theoretischen Vortrag folgten anschauliche Besichtigungen der Räume in Kleingruppen, bei denen die tägliche Praxis für die Besucher buchstäblich sichtbar und fühlbar wurde. Begutachtet wurden unter anderem die strikten Schwarz- und Weißbereiche in der Umkleide, die der strikten Hygiene dienen, die verschiedenen Uniformen, vier völlig unterschiedlich aus- beziehungsweise aufgerüstete Fahrzeuge, die elementare Notstromtechnik, spezielle Trainingsmöglichkeiten für komplizierte Löschschaum-Einsätze und noch viel mehr.

Dabei wurde deutlich: Neueste Technik ermöglicht jederzeit umfassende Informationen über die aktuelle Lage und die exakte Situation vor Ort, bis hin zur Frage: Welche Mitarbeitenden mit welchen feuerwehrtechnischen Qualifikationen sind gerade im Einsatz? Auch die Struktur der verschiedenen Wehr-Leitungsebenen vom Zug bis zur Gruppe, behördliche Brandschutzvorgaben, ständige Fortbildungsnotwendigkeiten, Umweltproblematiken oder die Nachwuchsgewinnung über die Kinderfeuerwehr wurden ausgiebig thematisiert. Der IVL-Vorsitzende Michael Becher betonte im Schlusswort den immensen Wert des ehrenamtlichen Engagements der Feuerwehr für die Stadtgesellschaft und dankte den Gastgebern für die freundliche Aufnahme und Bewirtung.

Simon Heister, Leiter der therapeutischen Dienste der Forensik in der LVR-Klinik, nutzte den Stammtisch, um die Unternehmer auf die Möglichkeit hinzuweisen, dort im Maßregelvollzug einfache Arbeiten für Firmen erledigen zu lassen. „Arbeit schafft Perspektiven, Perspektiven schaffen Sicherheit“ ist für ihn der therapeutische Resozialisierungs-Ansatz der angebotenen industriellen Montage. Es geht um strukturierte Tätigkeiten, wie Verpacken, Konfektionieren, Sortieren oder Kleinmontagen. Zwei Gruppen mit je 16 Patienten können eingesetzt werden. Bisher wird dort schon im Garten, in Fahrradwerkstatt oder Nähwerkstatt gearbeitet. Ein ähnliches Projekt gibt es schon bei den WFB -Werkstätten des Kreises Mettmann, mit denen die Klinik bei Auftragsspitzen schon zusammenarbeitet. Heister versprach den Interessenten „wirtschaftlich interessante, flexible Lösungen, persönliche Ansprechpartner, lokale Partnerschaft“.

Text & Fotos: Martin Mönikes