Die ara- Schuhfabrik, jahrelang fester Bestandteil der Langenfelder Industrie, ist Geschichte. Aber die Firma ara ist vor Ort immer noch ein interessantes Thema. Zum einen durch die konkreten Planungen für die zukünftige Bebauung des Geländes, zum anderen durch die vor 55 Jahren aus dem ara-Rechenzentrum entstandene Firma cpa Sofware consult. Der Spezialist für Softwarelösungen in der kompletten deutschsprachigen Schuhindustrie entwickelte -vereinfacht ausgedrückt – eine SAP-ähnliche Software, die auf die besonderen Anforderungen der Schuhindustrie zugeschnitten ist. Vor Ort in Langenfeld arbeiten bei cpa rund 100 Mitarbeitende, weltweit nutzen rund 4000 Menschen die Software, mit deren Hilfe jährlich ungefähr 50 Millionen Schuhe weltweit produziert und in den Handel gebracht werden. Zu den 100 verschiedenen Kunden, die sowohl Global Player als auch Schuhmanufakturen sind, gehört auch die ara selbst.
Der Industrieverein hatte zum Mai-Stammtisch in das schicke Bürogebäude am Standort Zur Schlenkhecke eingeladen, und hundert Mitglieder und Gäste erlebten einen sehr informativen Abend, den die Gastgeber in jeder Weise perfekt vorbereitet hatten. In der Begrüßung dankte Vorsitzender Michael Becher zunächst der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), konkret Fachbereichsleiter Thomas Küppers, für die Möglichkeit, dass vorab -ein vermutlich letztes Mal – die alten ara-Hallen mit ihren beeindruckenden Graffitis besichtigt werden konnten.
cpa-Geschäftsführer Jörg Spiegelhoff, Prokurist Sven Vosen, und Björn Heise, Leiter Kundenerfolg, gelang es in einer eindrucksvoll bebilderten Dokumentation, die „Wertschöpfungskette“ eines jeden Schuhs nachvollziehbar zu machen. Es beginnt -bei allen Kunden – einerseits mit den Entwürfen der Modelleure, andererseits parallel mit der Beschaffung der konkret benötigten Materialien oder Werkzeuge. Das heißt: Von jedem Schuh-Modell werden verschiedene Größen (meist 35 – 46) entwickelt, bei nur vier Varianten sind das schon rund 50 Exemplare. Bis der Schuh im Handel erhältlich ist, vergeht übrigens fast ein Jahr. Dank der weltweit 24/7 verfügbaren redundanten cpa-Software „wissen die Beteiligten welches Modell an welcher Stelle im Prozess steht“, bringt Heise es auf den Punkt. Auch Fragen zur Nachhaltigkeit der Produkte oder aktuell wechselnde EU-rechtliche Vorgaben werden im System berücksichtigt. Am Rande erfuhren die Zuhörer von der weltweiten Verflechtung der Schuh-Industrie. „Das Rind steht z.B. auf einer Weide in Südamerika, wird zum Schlachten z.B. in die Türkei verfrachtet, gegerbt wird das Leder z.B. im Ostblock, eingefärbt in Indien“. Produziert wird überwiegend in Asien, in teilweise zig Fußballfelder großen Fabriken. Es wird jeweils unterschieden, ob für den aktuellen Verkauf oder Lagerware produziert wird. In allen Fällen müssen die benötigten Materialien rechtzeitig und ausreichend an den Produktionsorten angekommen sein. Letztlich müssen dann alle Schuhe weltweit in den Handel, fertig verpackt, eine weitere logistische Herausforderung. Auch die spätere Verschiebung zwischen einzelnen Verkaufsvarianten ist Teil des Systems. Mal geht’s final in ein Outlet-Center, letztlich ist sogar für die Entsorgung das Ziel.
Der Blick auf den Handel ist zwiespältig; der Online-Handel wächst – angeschoben im Corona-Umfeld – weiter, laut einer Prognose bei Schuhen bis 2029 auf 38 Prozent. Die Beratungsbedarf in den Läden wird geringer, auch das hat Konsequenzen. Dabei sind für die Hersteller die (für den Kunden noch kostenlosen) Retouren der größte Kostenfaktor.
Interessant auch die Info, das cpa 2025 als „Bester Arbeitgeber“ ausgezeichnet wurde, und immer auf der Suche nach interessierten Auszubildenen und Praktikanten ist.
Text & Fotos: Martin Mönikes

